Einfluss der natürlichen Umgebungsstrahlung auf Lebewesen

Seite 2 von 3

Brauchen Organismen die natürliche Umgebungsstrahlung?

Diese Frage ist an sich zu einfach formuliert. Über die Strahlung, die durch das erste atmosphärische Fenster eintrifft, wissen wir nur zu gut, dass sie für das ganze organische Leben auf Erden unentbehrlich ist. Sie bringt uns nämlich Licht und Wärme. Ohne diese wäre es dunkel und sehr kalt auf der Erde – so kalt, dass sogar Sauerstoff und Stickstoff gefrieren und als Eisklumpen herumliegen würden und somit nicht für Lebensprozesse nutzbar wären. 

Eine weitere bekannte Wirkung  der Strahlung des ersten atmosphärischen Fensters ist die Vitamin D Produktion der Haut durch die Einwirkung von UV Licht. Die Bildung von Vitamin D findet mit Hilfe von UV-B Licht (Wellenlänge von 290 bis 315 nm) statt (mit einem Maximum bei 295-297 nm). Auch die Bräunung der Haut ist auf die Wirkung von UV Licht zurückzuführen.

Die Frage, die hiernach übrig bleibt ist, ob die natürliche Umgebungsstrahlung noch andere wichtige Wirkungen mit sich bringt und ob die anderen Bereiche (Atmospherics und zweites atmosphärisches Fenster) vielleicht auch irgendwelche Beiträge zu Lebensprozessen liefern. Obwohl sich die Wissenschaft darüber noch uneins ist, gibt es dazu bereits eine Reihe von bemerkenswerten Beobachtungen.

Die erste, bereits erwähnte Beobachtung ist, dass biologische Organismen während der Evolution gerade in dem Frequenzbereich Augen entwickelt haben, in dem sich das Intensitätsmaximum des ersten atmosphärischen Fensters befindet, dem Licht. Hier hat die Natur es geschafft, sich das ihr angebotene Frequenzspektrum zunutze zu machen. Es wird deshalb vielfach vermutet, dass dies nicht nur beim sichtbaren Licht der Fall ist, sondern dass biologische Organismen auch andere Teile der natürlichen Umgebungsstrahlung zu ihrem Nutzen einsetzen. Eine unterstützende Beobachtung ist die auffällige Übereinkunft zwischen der Struktur der Schumannwellen im Hz-Bereich und den unterschiedlichen Rhythmen des EEG's. Dr. König schreibt dazu in seinem Buch "Unsichtbare Umwelt" folgendes: 

„Vergleicht man nun die Registrierungen des Alpha-Rhythmus und des Delta-Rhythmus mit den Registrierungen, die man bei der Messung des elektrischen Feldes im ELF-Bereich erhält, so fällt die frappierende Ähnlichkeit jeweils zwischen dem Alpha-Rhythmus des EEG's und den Signalen vom Typ I (Schumannwellen) und dem Delta-Rhythmus und den Signalen vom Typ II (lokale elektrische Feldschwankungen) auf. Selbst für einen Fachmann wäre es zumindest bei der Beurteilung eines relativ kurzen Registrierstreifens schwierig zu unterscheiden, ob es sich um eine Aufzeichnung von Gehirnströmen oder von in der Natur vorkommenden, elektrischen Feldschwankungen handelt.“

Wie stark der Einfluss der natürlichen Umgebungsstrahlung im täglichen Leben auf den menschlichen Körper ist, lässt sich nicht leicht einschätzen, weil sie nicht „abgeschaltet“ werden kann. Dies ist der Grund, warum viele Beobachtungen über Phänomene, die bei verstärkten Strahlungsbedingungen auftreten, existieren, aber kaum Beobachtungen über den Einfluss der natürlichen Umgebungsstrahlung unter normalen Bedingungen.

Um diesen letzten Einfluss zu erforschen, braucht man eine experimentelle Vorrichtung, wobei die natürliche Umgebungsstrahlung weitgehend ausgrenzbar sein müsste. Weil der tieffrequente Anteil sehr durchdringend ist, bräuchte man dazu massive Abschirmungen. Eine solche Experimentiermöglichkeit wurde in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts in Andechs in Bayern realisiert. Der dazu gebaute Bunker ist als Andechser Bunker bekannt.

In diesem Bunker wurden jahrelang Experimente durchgeführt. In einem solchen Experiment wurde eine Gruppe von Personen, in elektromagnetisch abgeschirmten Räumen, mit einer anderen Gruppe, in elektromagnetisch nicht abgeschirmten Räumen, verglichen. Verglichen wurden die Tagesperiodik der Aktivitäts-Ruhe-Phasen, der Körpertemperatur, der Kalium- und Kalziumausscheidung mit dem Urin, der Zeitschätzung, der Geschwindigkeit von Kopfrechenaufgaben und der allgemeinen Befindlichkeit.

Nach einem Monat Untersuchungszeit zeigten die Personen in den abgeschirmten Räumen einen 25h- bis 26h-Rhythmus sowie die Desynchronisation der tagesrhythmischen Parameter. Auch die Abweichung der Parameter der einzelnen Personen hatte erhebliche Differenzen. Personen, die einen Monat in nicht elektromagnetisch abgeschirmten Räumen lebten, behielten ihren 24h-Rhythmus bei. Wenn die Personen der abgeschirmten Gruppe wieder unter normalen Verhältnissen lebten, stellten sich die 24h-Periodik und alle Synchronisationsvorgänge wieder ein. Dasselbe wurde auch erreicht, wenn mit einem 10 Hz gepulsten Magnetfeld auf die Personen der abgeschirmten Gruppe Einfluss genommen wurde. [Wever 1967], [Wever 1973].

Der Einfluss eines anderen Teils der natürlichen Umgebungsstrahlung wurde von Schienle et al. erforscht [Schienle 1998]. Sie benutzten genau reproduzierte Signale, wie sie bei etwa 10 kHz im Bereich der Atmospherics auftreten und wendeten diese bei einer großen Zahl von Versuchspersonen an. Es wurde immer wieder festgestellt, dass diese Sferics Signale einen deutlichen und anhaltenden Einfluss auf die Struktur des menschlichen EEG Signals haben.

Abschließend kann man feststellen, dass durch solche Experimente gezeigt wird, dass die natürliche Umgebungsstrahlung einen wichtigen Einfluss auf die Rhythmen im menschlichen Körper hat. Weil die natürliche Umgebungsstrahlung aber permanent vorhanden ist, bleibt dieser Einfluss normalerweise unbeobachtet.


Seite 2 von 3

Vitalogica® (Glossar)

Erhalten Sie Unterstützung bei schwierigen Begriffen. Wir bieten Ihnen die Möglichkeit, Begriffe, die in unserem Glossar definiert sind, direkt dort nachzuschlagen.

Ein/ausschalten

Referenzen

Bücher

[König 1986]
König, H.L.
Unsichtbare Umwelt
Eigenverlag München, 1986

Artikel

[Wever 1967]
Wever
Über die Beeinflussung der circadianen Periodik des Menschen durch schwache elektromagnetische Felder
Zeitschrift für vergleichende Physiologie 56, 111-128 (1967)

[Wever 1973]
Wever 
Human circadian rhythms under the influence of weak electric fields and the different aspects of these studies
International Journal of Biometeorology, Vol. 17, No. 3 p 227-232, 1973

[Schienle 1998]
Schienle et al.
Biological Effects of Very Low Frequency (VLF) Atmospherics in Humans: A Review
Journal of Scientific Exploration, Vol. 12, No. 3, pp. 455-468, 1998